Mediation, Coaching, Supervision
Was sind die Unterschiede? Welches Format passt zu mir?
Dr. Jennifer Hammel, Mediatorin, Konflikt-Coachin und Supervisorin für Verbände, politische Organisationen und Unternehmen.
Verschiedene Beratungsformate finden in der Arbeitswelt Anwendung: von der Mediation über das Coaching bis hin zur Supervision. Nicht jedes Format eignet sich jedoch bei jeder Problemstellung oder Situation. Wie finde ich heraus, welches Format am besten zu mir passt?

Werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Beratungsformate:
Mediation als Tool zur Konfliktlösung
Die Mediation ist ein konstruktives Vermittlungsverfahren zwischen zwei oder mehr Konfliktbeteiligten. Der Fokus liegt hier ganz klar auf dem Thema Konflikt.
Das Ziel besteht darin, eine gemeinsame Klärung und Lösung des Konfliktes zu finden.
Die Mediatorin schafft einen sicheren Rahmen, in dem sich die Konfliktbeteiligten begegnen können. Sie fördert mit verschiedenen Methoden wechselseitige Empathie, Wertschätzung und einen Perspektivwechsel.

Bild: Von Tumisu über Pixabay
Dabei bleibt die Mediatorin eine allparteiliche neutrale dritte Instanz, die sich gleichermaßen den Interessen und Bedürfnissen der beiden Konfliktparteien zuwendet, den Prozess begleitet und auf Verfahrensgerechtigkeit achtet.
Wichtig: Die Konfliktbeteiligten bleiben Experten ihres Konfliktes und erarbeiten im Prozess eine gemeinsame Lösung für ihr Problem. Die Mediatorin unterstützt diesen Vorgang als Prozessverantwortliche mit den zur jeweiligen Situation passenden Methoden.
Die Lösung wird am Ende idealerweise in einer Abschlussvereinbarung festgehalten, welche die Mediatorin aufsetzt.
Prinzipiell beruht jede Mediation auf Freiwilligkeit der Konfliktbeteiligten. Zudem ist Ergebnisoffenheit eine Voraussetzung: Das heißt, die Konfliktbeteiligten sollten die Bereitschaft zeigen, dass es nicht Lösung A oder Lösung B, sondern vielleicht Lösung Z wird.
Auch ist Vertraulichkeit ein wichtiges Grundprinzip. Die Mediatorin ist zu dieser sogar quo Gesetz verpflichtet. Ob die Konfliktbeteiligten ebenfalls Vertraulichkeit über die Inhalte der Mediation vereinbaren, wird in der Sitzung besprochen.
Fazit:
Eine Mediation eignet sich als Vermittlungsverfahren zur nachhaltigen Klärung von (hocheskalierten) Konflikten zwischen zwei oder mehr Personen. Sie kann auch in hierarchischen Konstellationen Anwendung finden: zum Beispiel zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften einer Organisation.
Coaching als Format zur Zielerreichung
Das reflexive Beratungsformat Coaching kann sowohl im 1:1-Setting als auch in der Gruppe stattfinden. Coaching ist ebenfalls eine Form der Prozessbegleitung, bei dem die Coachees durch die Coachin zur „Selbsthilfe für sinnvolles Handeln“ (dvct, 2021) angeregt werden. Im Coaching wird der Klient dazu befähigt, selbst Probleme zu bewältigen und zu lösen.
Mittels verschiedener Methoden werden Coachees zur Selbstreflexion und zum Perspektivwechsel eingeladen. Coaching ist dabei immer ziel- und ressourcenorientiert.

Bild: iStock.com/Andrii Borodai
Das heißt, zu Beginn jeder Sitzung formuliert der Coachee ein konkretes Ziel, das er erreichen möchte. Der Coach achtet bei der Zielbearbeitung immer darauf, dass der Coachee seine eigenen Ressourcen entdeckt und erkennt.
Sollte der Blick des Coachees auf seine Defizite wandern, richtet der Coach den Blick des Coachees wieder auf seine vorhandenen Ressourcen (= Stärken stärken).
Durch das Coaching kann der Coachee seine frei gewählten Ziele verfolgen. Er gewinnt neue Erkenntnisse und entwickelt dadurch Handlungsalternativen. Deren Umsetzung erfolgt unter Betrachtung seines Umfeldes – dem sogenannten „Öko-Check“ im systemischen Coaching. Durch das Erreichen seines Ziels erfährt der Coachee Selbstwirksamkeit.
Fazit:
Beim Coaching liegt der Fokus auf der Erreichung eines Ziels. Der Coachee wird sich durch die Interventionen des Coaches seiner eigenen Ressourcen bewusst und kann diese erweitern. Die Zielformulierung kann bei jeder Sitzung neu gewählt werden.
Da bei der Zielerreichung das Umfeld mitberücksichtigt wird, ist diese besonders nachhaltig. Im Falle des Konflikt-Coachings kann die Führungskraft oder der Mitarbeitende Klarheit über seinen Konflikttyp und sein Konflikthandeln erhalten und dies optimieren.
Supervision zur Professionalisierung und Optimierung von Prozessen
Supervision wird oftmals als die Königsklasse aller Beratungsfomate bezeichnet. Sie eröffnet Reflexionsräume und bringt Führungskräfte, Mitarbeitende und Teams in die Vogelperspektive:
Hier kann das eigene Verhalten und Handeln mit Abstand reflektiert werden. Deshalb wird Supervision in vielen Fällen mit „Über-Blick“ oder „Drauf-Sicht“ übersetzt.

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Supervision kann im 1:1-Setting als auch in der Gruppe oder im Team Anwendung finden. Sie wird ausschließlich im beruflichen Kontext eingesetzt und dient der Berufsrollenreflexion, der Professionalisierung und Weiterentwicklung von Prozessen, Abläufen, Arbeitsstrukturen und Arbeitsbeziehungen in Organisationen. Sie eignet sich besonders auch für Veränderungsprozesse in Unternehmen.
Häufig wird Supervision in medizinischen, sozialen, psychologischen und pädagogischen Bereichen genutzt. Zunehmend findet sie jedoch auch in der Wirtschaft Anklang: So haben mittlerweile viele Führungskräfte erkannt, wie wichtig, die Reflexion des eigenen Führungshandelns für die weitere Professionalisierung und Weiterentwicklung ist.
Fazit:
Supervision ist ein auf Dauer angelegtes Reflexionsformat im beruflichen Kontext. Im Gegensatz zur Mediation steht keine Lösung eines konkreten Konfliktes im Fokus. Auch wird kein konkretes Ziel wie im Coaching verfolgt. Stattdessen steht die stete Reflexion des eigenen Handelns, der Organisationsprozesse und -strukturen sowie der Arbeitsbeziehungen im Team (Mitarbeitende/Führungskräfte) im Vordergrund.
Supervision führt zu einer kontinuierlichen Professionalisierung, Optimierung und Weiterentwicklung der Organisation bzw. des Unternehmens und des Personals.
Es wird deutlich, dass die drei Beratungsformate – Mediation, Coaching und Supervision – unterschiedliche Anwendungsfelder umfassen. Von der Konfliktlösung über die individuelle Zielerreichung bis hin zur beruflichen Professionalisierung, jedes Format hat einen anderen Nutzen für seine Teilnehmenden. Eine Gemeinsamkeit haben die drei Formate dennoch: Sie sind alle Formen der Prozessbegleitung und regen zur Selbstreflexion an.
Immer noch unsicher, welches Format das richtige für Sie ist? Sprechen Sie gerne mit mir darüber in einem kostenlosen Erstgespräch.